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[Gastbeitrag] Das Gehirn – Zentrale unserer Leistungsfähigkeit I

[Gastbeitrag] Das Gehirn – Zentrale unserer Leistungsfähigkeit I

von Tobias Bierschneider

Fußball als Denksport betrachten

Das Zentrum beherrschen, hinter die letzte Kette kommen, Überzahl kreieren. In der Defensive Mitspieler sichern, durch eine kompakt stehende Verteidigung das eigene Tor verteidigen. Diese Prinzipien verbinden wir Trainer üblicherweise mit einer Ballsportart wie Fußball.

Ersetzt man nun die Wörter Kette mit Reihe, Mitspieler mit Figuren, Tor mit König, sind wir bei einer der populärsten und komplexesten Denksportarten dieses Planeten: Schach

Wenn wir Schach hören, denken wir in der Regel an die „schlauesten“ Menschen. Wer gut Schach spielen kann, ist ein helles Köpfchen, sagt man.

Dass einige Grundprinzipien für erfolgreichen Fußball mit denen eines komplexen, strategischen Denkspiels einhergehen ist kein Zufall. Im Fußball haben wir allerdings nicht nur einen Schachspieler, der die Macht über seine Figuren hat. Je nach Alter gibt es in der Regel 7, 9 oder 11 Individuen auf dem Feld, die sich selbst bewegen und versuchen, für ihre Mannschaft am cleversten zu handeln. Klar, der Trainer bestimmt das Spielsystem, gibt die Mannschaftstaktik vor und stellt die Mannschaft auf den Gegner ein. Auf die vielen unterschiedlichen und komplexen Spielsituationen schnellstmöglich reagieren und aus einer Reihe von Handlungsmöglichkeiten die Beste auswählen muss dennoch jeder Spieler selbst, und das in Sekundenbruchteilen.

Warum tut ein Spieler das, was er tut

Ein Spieler hat in jeder Situation, in der er aktiv oder teilaktiv involviert ist, eine Vielzahl von Möglichkeiten. Beispielsweise kann er mit Ball am Fuß ins Dribbling gehen, einen vertikalen, horizontalen oder Rück-Pass zu einem seiner Mitspieler spielen, auf das gegnerische Tor schießen und und und. Wie aber läuft nun diese ENTSCHEIDUNGSFINDUNG ab?

Abb. 1.: Phasenstruktur des taktischen Handelns nach Mahlo (1966).

Wenn man an die wichtigsten Eigenschaften eines Fußballspielers denkt, fallen oft Schlagwörter wie Technik, Taktik, die konditionellen Fähigkeiten und die Spielintelligenz. Was aber verantwortlich für die Ausprägung all dieser Eigenschaften ist, ist unser ZENTRALES NERVENSYSTEM.

Um dies anhand eines praktischen Beispiels zu verdeutlichen, schauen wir uns folgende Spielsituation an:

Abb. 2.: Fiktive Spielsituation: Balleroberung im Zentrum von „rot“ nach Spielaufbau von “weiß”

Als allererstes nimmt der Spieler die neue Situation sensorisch wahr. Beim Fußball erfolgt dies meist VISUELL. Manchmal auch auditiv (bei Zurufen) oder taktil (bei Berührungen).

Ein Mensch kann pro Sekunde ca. 4-5 Bilder durch feste Fixation wahrnehmen. Den Rest nehmen wir peripher wahr, d.h. unscharf, dafür aber mit bis zu 100 Bildern pro Sekunde.

The best search is no search at all.”

Wenn wir uns die Differenz von 5 bewussten Bildern zu 100 peripheren Bildern pro Sekunde anschauen, wird klar, wie wichtig das periphere Sehen ist. Noch deutlicher wird das oben genannte Zitat, wenn wir uns einen Spieler vorstellen, der die Flugbahn des Balles betrachtet („fixiert“) und dabei gleichzeitig das Geschehene um ihn herum (peripher) wahrnimmt, um die Gegenspieler zu erkennen und den 1. Kontakt dementsprechend auszuführen.

Da ein Spieler meist nur wenige „AUGENBLICKE“ hat, die Situation korrekt wahrzunehmen, sollte er also seinen Blick möglichst schnell zum spielentscheidenden Geschehen richten, dabei aber noch möglichst viel um sich herum peripher aufnehmen.

In unserem Beispiel: „Freier Raum vor mir. Außenspieler rechts startet in die Tiefe. Der Stürmer startet in die Tiefe hinter die Kette.“

Zahlreiche Studien unterschiedlichster Teamsportarten konnten beweisen, dass PROFESIONELLERE bzw. ERFAHRENERE Sportler die Situationen sowohl peripher, als auch zentral besser erfassen als Unerfahrene. Sie benötigen WENIGER FIXATIONEN, um SCHNELLERE und GENAUERE LÖSUNGEN hinsichtlich taktischer Angriffsentscheidungen zu finden. Außerdem können sie MEHR INFORMATIONEN PRO FIXATION aufnehmen.

Hat der Spieler die Information richtig wahrgenommen, wird die Information in Form von elektrischen Impulsen über unsere Nervenzellen zum visuellen Cortex unserer Großhirnrinde weitergeleitet und dort verarbeitet.

Nun aber zur wichtigsten Frage: Welche gedankliche Lösung findet er und warum?

Betrachten wir hierzu verschiedene Handlungsmöglichkeiten in unserem Beispiel:

  1. Option: Er entscheidet sich dazu, in den freien Raum zu dribbeln
  2. Option: Er entscheidet sich dazu, einen tiefen Pass auf den Stürmer zwischen die IV`s zu spielen
  3. Option: Er entscheidet sich dazu, den starteten Flügelspieler anzuspielen

Welche Lösung ist nun aber die Beste?

Welche Lösung die Beste ist, erfährst du im zweiten Teil des Gastbeitrags von Tobias Bierschneider. Um nicht zu verpassen wann der zweite Beitrag veröffentlicht wird, gehe auf die Facebookseite von RESWITCH und LIKE die Seite. Der zweite Beitrag geht spannend weiter!


Tobias Bierschneider (24) wohnhaft in Leipzig. Aktueller Absolvent im Studienmastergang „Diagnostik und Intervention im Leistungssport“. Er ist Co-Trainer bei der U11 des RB Leipzig. Zuvor hat er 5 Jahre in München gelebt, wo er seinen Bachelor an der TU in „Sportwissenschaften“ abgeschlossen hat. In der Saison 2017/18 war er als Co-Trainer bei der U14 der SpVgg Unterhaching tätig. Seine ersten Erfahrungen in einem NLZ sammelte er 2016 im Rahmen eines Praktikums beim FC Ingolstadt.

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